HNO Exzellenzzentrum Rhein-Main

Schwerpunkt Nasennebenhöhlenchirurgie

Anatomie und Funktion (Nase)
Die Nase besteht aus der äußeren, sichtbaren Nase und der inneren Nase, die durch die Nasenscheidewand in die rechte und linke Nasenhöhle geteilt wird. Die Nasenhöhle ist ein länglicher Spaltraum, der durch die seitlich anhaftenden Nasenmuscheln unregelmäßig eingeengt wird. Die Schleimhaut der Nasenmuscheln schwillt in regelmäßigen Abständen an und ab, sogenannter Nasenzyklus, wobei normalerweise eine Nasenseite „frei“ (= abgeschwollen) und die andere Nasenseite „zu“ (= angeschwollen) ist.


Endoskopischer Blick in die linke Nasenhöhle mit Nasenscheidewand (1), 
unterer Nasenmuschel (2) und mittlerer Nasenmuschel (3).


* Angeschwollene untere Nasenmuschel links mit Nasenatmungsbehinderung bei Allergie.

Unsere Nase hat u.a. folgende Aufgaben:

  • Riechen,

  • Klimatisierung der Einatemluft durch Befeuchten, Reinigen und Anwärmen, 

  • Initiieren der körpereigenen Abwehr gegenüber Viren, Bakterien und Fremdstoffen, die von außen durch die Nase in den Körper gelangen.

Erkrankungen und Symptome (Nasenatmung)
Eine behinderte Nasenatmung führt Mundatmung. Die trockene, kühle und ungereinigte Luft kann Rachen, Kehlkopf und Bronchien reizen. Das Riechvermögen kann eingeschränkt sein. Wir fühlen uns meist unwohl dabei, die körperliche Belastbarkeit nimmt oft ab.
Eine länger dauernde, chronische Nasenatmungsbehinderung sollte hinsichtlich ihrer Ursache durch eine sorgfältige HNO-ärztliche Untersuchung geklärt werden. 


Verbiegung der Nasenscheidewand* mit deutlicher Einengung der Nasenhöhle.

Die Basisuntersuchung umfasst

  • eine Endoskopie der Nasenhöhlen und des Nasenrachens, 

  • eine Allergietestung und 

  • eine Luftdurchgängigkeitsmessung.

In Zusammenschau der Untersuchungsergebnisse wird über weitere Untersuchungen (Ultraschall, Computertomogramm, Kernspintomogramm, Labor) entschieden. 
Ein operativer Eingriff an der Nasenscheidewand oder den Nasenmuscheln kann hilfreich sein, um Ihre Beschwerden zu bessern.

Anatomie und Funktion (Nasennebenhöhle)
Die Nasennebenhöhlen (NNH) sind luftgefüllte Nebenräume der Nasenhöhle und mit dieser durch enge Verbindungswege verbunden. Es gibt auf jeder Seite 4 NNH: die Kieferhöhle, Stirnhöhle, Keilbeinhöhle und das Siebbeinzellsystem. Die NNH grenzen an die Augenhöhle und die Schädelbasis. Die Kieferhöhle hat enge Lagebeziehungen zu den Oberkieferzähnen, die Keilbeinhöhle zum Sehnerven.

Erkrankungen und Symptome
Immer mehr Patienten klagen über Beschwerden von Seiten ihrer Nasennebenhöhlen, so z.B. behinderte Nasenatmung, vermehrte Nasensekretion, Kopfdruck, Geruchsstörungen, vermehrte Infekte. In der Zusammenschau von Beschwerden, sorgfältiger endoskopischer Untersuchung, bildgebender Darstellung der Nasennebenhöhlen (z. B. Computertomogramm) und Funktionsprüfungen wird der für den jeweiligen Patienten beste Weg zur Verbesserung der Situation individuell gesucht.

Unser Behandlungs- und Operationsspektrum umfasst u.a.:

In der modernen Nasennebenhöhlenchirurgie wird der krankhafte Prozess saniert und dabei die Funktion von Nase und Nasennebenhöhlen möglichst wenig beeinträchtigt. Hierzu werden optische Hilfsmittel wie Endoskop und Mikroskop sowie Spezialinstrumente, ggf. auch der Laser eingesetzt. Bei den entzündlichen Nebenhöhlenerkrankungen liegt das Hauptaugenmerk darauf, möglichst wenig eingreifend (minimal invasiv) vorzugehen, die Engstellen gezielt zu erweitern und gesunde Schleimhaut weitgehend zu erhalten.


Abb. 1: Chronische Entzündung der Nasennebenhöhlen mit Nasenpolypen, die die ganze Nasenhöhle ausfüllen und durch ihren Druck die Gesichtsschädelknochen auftreiben.


Abb. 2: Chronische Entzündung der Nasennebenhöhlen mit Nasenpolypen im mittleren Nasengang rechts.

Welches operative Verfahren gewählt wird, kann nur anhand einer individuellen Beratung festgelegt werden.

Durch die endonasale Operation werden die krankhaften Prozesse in den Nebenhöhlen 
beseitigt und die Drainage und Belüftung optimiert.

Das Bild zeigt links den Zustand vor der Operation mit Verlegung der Belüftungswege durch Polypen.

Auf der rechten Seite sehen Sie den angestrebten Zustand nach der Operation mit freier Belüftung der Nebenhöhlen, freier Nasenatmung und gutem Riechvermögen.

Welches operative Verfahren gewählt wird, kann nur anhand einer individuellen Beratung festgelegt werden.

Die Ballon Sinuplastik ist eine neue Methode zur Behandlung von Nasennebenhöhlenerkrankungen. Das Prinzip der Ballon Sinuplastik besteht in der Erweiterung der engen Zugänge zur Kiefer-, Stirn- oder Keilbeinhöhle mittels eines Ballonkatheters (Ballondilatation). Über einen dünnen Führungsdraht wird der Ballonkatheter in die Engstelle eingebracht und durch Aufblähen des Ballons der enge Drainageweg erweitert. Nach den vorliegenden Erfahrungen scheint die Methode sehr erfolgreich und sehr sicher zu sein. Sie ist einsetzbar vor allem dann, wenn das Hauptproblem in der Belüftungsstörung und Drainagebehinderung der Nasennebenhöhlen liegt, z.B. bei

  • der druckbedingten Nasennebenhöhlenentzündung (Barosinusitis), 

  • bei Blutgerinnungsproblemen, 

  • der isolierten Entzündung von Stirn- (Abb. 3), Kiefer- oder Keilbeinhöhle

  • der häufig wiederkehrenden Nasennebenhöhlenentzündung (rezidivierende Sinusitis) oder 

  • durch Engstellen bedingten akuten und chronischen Nasennebenhöhlenentzündungen. 

Eine Kombination mit der endoskopisch kontrollierten Siebbeinoperation (sogenannte Hybridtechnik) ist möglich. 
Die Indikation zum Vorgehen kann jedoch nur in einem persönlichen Gespräch anhand der individuellen Anatomie und des vorliegenden Krankheitsbildes gestellt werden, um Misserfolge aufgrund falscher Indikationsstellung zu vermeiden.
Die neueste Technik – LUMA – erlaubt die Darstellung der Nasennebenhöhlen ohne Röntgendurchleuchtung.
Eine ambulante Durchführung der Ballon Sinuplastik ist möglich.

Weitere Informationen zum System finden Sie unter www.neumedpro.de.


Abb. 3: Chronische Entzündung der Nasennebenhöhlen mit Nasenpolypen, die die ganze Nasenhöhle ausfüllen und durch ihren Druck die Gesichtsschädelknochen auftreiben.

Die Stirnhöhle ist durch ihre spezielle anatomische Lage operativ besonders schwierig anzugehen. Es muss sehr sorgfältig darauf geachtet werden, bei der operativen Rekonstruktion einer suffizienten Drainage das operative Trauma möglichst klein zu halten, um eine unerwünschte Narbenbildung zu minimieren.

Ein operatives Stufenkonzept hilft für jeden Patienten die geeignete Operationstechnik anzuwenden, z.B.:

  • Freimachung des Drainageweges im Siebbein (sogenannte Typ-I-Drainage nach Draf),

  • Entfernung der die Drainage blockierenden Siebbeinzellen (Typ-IIa- Drainage, entspricht dem „Uncapping the egg“ nach Stammberger)

  • Vollständige Drainage einer Seite (Typ-IIb-Drainage)

  • Maximale Wegnahme des Stirnhöhlenbodens durch die Nase (Typ-III-Drainage, Mediandrainage). Diese ist z.B. bei wiederholten Stirnhöhlenoperationen und bleibenden Beschwerden oder besonders engen Drainageverhältnisse sehr hilfreich. Es werden nicht nur Spezialinstrumente eingesetzt, sondern auch spezielle Maßnahmen zum Erhalt der weiten Drainage durchgeführt.

  • Einsetzen eines Stirnhöhlenplatzhalters

  • Applikation spezieller Medikamente zur Beeinflussung der Wundheilung (z.B. Mitomycin C)

  • In einzelnen Fällen ist die Ausschaltung der Stirnhöhle (Obliteration) durch Ausbohren der Schleimhaut, Verschluss des Drainageweges zur Nase und Auffüllen mit eigenem Fettgewebe zur definitiven Sanierung
    notwendig. 

Alle Operationen mit Ausnahme der osteoplastischen Operation erfolgen durch die Nase, endonasal, unter endoskopischer Kontrolle unter zusätzlichem Einsatz spezieller Optiken und Instrumente für die Stirnhöhlenchirurgie.
Noch einmal: Welches operative Verfahren gewählt wird, kann nur anhand einer individuellen Beratung festgelegt werden. Hierzu sind aktuelle CT-Aufnahmen, manchmal ergänzend auch Kernspinaufnahmen notwendig.

Verletzungen der Hirnhaut führen zu einem Abfließen von Hirnwasser in die Nase und bergen das Risiko einer aufsteigenden Hirnhautentzündung in sich. Sie müssen deshalb operativ verschlossen werden (Duraplastik). Als Ursache kommen Unfälle, Operationen an den Nasennebenhöhlen, die Entfernung von Hirnhautanteilen während einer Tumoroperation oder spontane Defekte in Frage. In vielen Fällen ist ein operativer Verschluss durch die Nase möglich.

Durch den Einsatz von Mikroskop und Endoskop sowie weiterer moderner Geräte und Instrumente (z.B. sogenannte Shaversysteme und Navigation) können viele gutartige Tumoren und auch einzelne bösartige Tumoren der Nasen- und Nasennebenhöhlen durch die Nase, d. h. endonasal, erfolgreich operiert werden. Dies ist natürlich sehr vom Tumorstadium und der jeweiligen Anatomie abhängig.

Dies gilt insbesondere für die häufigsten gutartigen Tumoren der Nebenhöhlen:

  • Osteome (gutartige Knochentumoren) und 

  • invertierte Papillome. Bei den Papillomen hat der Autor eine eigene
    Methode entwickelt, den Tumor durch die Nase vollständig zu entfernen
    und hierbei die für die Klimatisierungsfunktion der Nase sehr wichtige 
    untere Nasenmuschel zu erhalten.

Die häufigsten bösartigen Tumoren sind:

  • sogenannte Plattenepithelkarzinome, 

  • Adenokarzinome (auch als Berufskrankheit bei Schreinern möglich),

  • Ästhesioneuroblastome,

  • Lymphome,

  • Metastasen anderer Tumoren.

Engstellen (Stenosen) der ableitenden Tränenwege zeigen sich klinisch durch das die Patienten sehr belästigende Tränenträufeln, Bindehautentzündungen, einen mehr oder weniger ständig vermehrten Sekretfilm, gelbliches Sekret im Bindehautsack sowie eine akute oder chronische Tränensackentzündung.

Als Therapie hat sich die endonasale Tränenwegsoperation (Dakryozystorhinostomie) in erfahrener Hand der klassischen externen Operation hinsichtlich der Erfolgsrate als gleichwertig erwiesen. Ihre Vorteile sind die kürzere Operationsdauer, geringere Komplikationsrate und ein reduziertes Krankheitsgefühl des Patienten. Für eine hohe Erfolgsrate sind die korrekte Indikationsstellung und Anlage der nasalen Öffnung, der individuelle Einsatz von Platzhaltersystemen, speziellen Medikamente oder Spezialinstrumenten entscheidend.

Welcher Eingriff und welche Therapie bei welcher Tumorart und Erkrankungsausdehnung am Günstigsten ist, kann nur in einem individuellen Gespräch entschieden werden.

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